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Titelthema
Das südliche Frankreich
Titelthema
Land der Perleidechsen
Neue Arten
Neu beschriebene Amphibien
Zucht
Wüstenkrötenechsen

Am Fuß des Nordhangs des Mauren-Massivs liegt eine außergewöhnliche Landschaft, die in Frankreich einzigartig ist – die Plaines des Maures. Statt Verkehrslärm Zikadengesang, statt überfüllter Strände einsame Landstriche und Hirten, die ihre Schafe und Ziegen zu den kargen Weideplätzen führen. Die riesigen, roten bis ockerfarbenen Steinplatten mit darauf stehenden schirmförmigen Pinien geben dem Gebiet einen savannenähnlichen Charakter, der an Afrika denken lässt. Die Riesen, die hier durch die Ebenen streifen, sind allerdings keine Giraffen oder Nashörner, sondern Perleidechsen. von Martin Dieckmann

Das Naturschutzgebiet Plaine des Maures liegt im Department Var und hat eine Fläche von 5.276 ha. Erst 2009 wurde es unter Schutz gestellt und ist Rückzugsgebiet einer interessanten, teils aber auch bedrohten Flora und Fauna.

Korkeichen und Orchideen
Dem Besucher werden viele Naturschönheiten geboten. Unter den mehr als 130 geschützten Pflanzenarten sind hier vor allem die Orchideen mit 30 Arten aus mehreren Gattungen (Serapias, Ophrys, Spiranthes) hervorzuheben. Doch stehen vor allem zwei Charakterarten der Plaines im Vordergrund, nämlich die Pinie Pinus pinea und die Korkeiche Quercus suber, die es hier in guten Beständen zu bestaunen gibt. Zwar sind Pinien gerade an der Küste mit den Aleppokiefern die Leitpflanzen überhaupt, doch besitzt Pinus pinea hier im Landesinneren einen gewissen „dekorativen“ Charme. Nicht zu vergessen ihre köstlichen Samen, die Pinienkerne, die zu regionalen Speisen verarbeitet werden. Diese Kiefernart ist an ihrer gewölbten Krone leicht zu erkennen, die in Ausnahmefällen bis 30 m hoch wachsen kann. Die Korkeiche ist wohl jedem Terrarianer bestens bekannt. Im Mauren-Massiv war sie von wirtschaftlicher Bedeutung. Ihre etwa 5 cm dicke Borke wird abgeschält und zu Korken, Isolationsmaterial usw. verarbeitet. Frisch entrindet ist der Stamm leuchtend rot, später wird er schwarz; die Borke wächst dann innerhalb von 7–10 Jahren wieder nach. Die erste Korkernte ist nach ca. 25 Jahren möglich.
Innerhalb der Macchie dominieren Baumheide (Erica arborea) sowie der Erdbeerbaum (Arbutus unedo). Aus dem Holz der Baumheide werden auch heute noch in Cogolin Bruyèrepfeifen hergestellt. In der hohen Macchie bildet der Erdbeerbaum im Massif des Maures wie auch auf Port Cros noch größere Bestände. Der prachtvolle Erdbeerbaumfalter ist von ihm abhängig, da er sich im Raupenstadium ausschließlich von dessen ledrigen Blättern ernährt. Der Zweischwänzige Pascha, wie ihn die Franzosen nennen, wird immer seltener, weil vor allem Waldbrände die Futterpflanzen vernichten. Neben diesen Arten ist ein verstärktes Auftreten Licht liebender Elemente wie der Myrte (Myrtus communis) und Zistrosen-Arten, z. B. Cistus monspeliensis, kennzeichnend.

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