Das aktuelle Heft

Titelthema
Der Grasfrosch in Deutschland
Titelthema
Grasfrösche im Spessard
Neue Arten
Neu beschriebene Reptilien
Zucht
Bohnenkäfer

von Arno Geiger, Andreas Kronshage & Martin Schlüpmann

In der ersten umfassenden Monographie der Amphibien und Reptilien Deutschlands von Bruno Dürigen (1897) wurde das damalige Wissen über den Grasfrosch auf elf Seiten dargeboten, doch enthielt das Grundlagenwerk noch keine einzige Zeile über die heute aktuellen Themen Gefährdung und Schutz. Einhundert Jahre später, in einer kompletten Neubearbeitung der Herpetofauna von Deutschland, an der viele Fachkollegen mitgearbeitet haben, wurden dem Grasfrosch im Kapitel von Schlüpmann & Günther (1996) schon 42 Seiten gewidmet, davon entfielen vier volle Seiten auf das Thema Gefährdung und Schutz. Deutlich herausgestellt wurde insbesondere der negative Einfluss anthropogener Landschaftsveränderungen auf die Grasfroschpopulationen, in erster Linie durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Verlust der Laichgewässer.

Da der Grasfrosch in Deutschland neben der Erdkröte und dem Teichmolch noch zu den sehr häufigen Lurcharten zählt, besteht oft die Meinung, „über den, der noch häufig ist, brauchen wir uns nicht weiter zu kümmern“. Doch diese Auffassung greift viel zu kurz. Es erscheint uns im Gegenteil wichtig, auch solche scheinbar „trivialen“ Allerweltsarten näher unter die Lupe zu nehmen und kritisch zu hinterfragen, was wir wirklich über sie und ihre bei uns lebenden Populationen wissen.
Wie alle anderen Amphibienarten ist auch der Grasfrosch in unserer Kulturlandschaft zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Keiner kann sagen, wie groß die Bestände in Deutschland noch vor 100 Jahren waren, aber es gibt Schilderungen, die nahelegen, dass die Art bei uns fast überall eine massenhafte Erscheinung war. Davon sind wir heute weit entfernt. Es ist zu vermuten, dass die Bestandseinbrüche in vielen Regionen in den letzten Jahrzehnten weit über 90 % betrugen. Hierunter leiden letztlich auch andere Tierarten, zu deren Beute Grasfrösche zählen. Der Grasfrosch ist zwar immer noch vergleichsweise häufig, doch regional ist ein anhaltender Rückgang der Bestände zu erkennen. Vor allem viele der ehemals größeren Laichballenansammlungen sind heute stark verringert oder ganz verschwunden.
Die Größe der Grasfroschbestände ist auch lokal sehr unterschiedlich entwickelt; in waldgeprägten Regionen kommt die Art zum Teil noch in großer Zahl und Dichte vor, in landwirtschaftlich geprägten Gebieten oder Siedlungsbereichen aber meist nur selten.
Wie geht es dem Grasfrosch wirklich, ist er in Deutschland heute noch ungefährdet, wie die letzte Rote-Liste-Einstufung für Deutschland (Kühnel et al. 2009) vorgibt? Schon diese noch aktuelle Rote Liste spricht beim langfristigen Bestandstrend (über die letzten 100–150 Jahre) von einem „mäßigen Rückgang“ der Art und von einer „Abnahme mäßig oder im Ausmaß unbekannt“ beim kurzfristigen Bestandstrend (über die vergangenen 10–25 Jahre). Reichen die Schutzbemühungen überhaupt aus, die wir anderen, seltenen Amphibienarten zugutekommen lassen, um auf diese Weise auch den Grasfrosch zu schützen?

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