Das aktuelle Heft

Titelthema
Der Grasfrosch in Deutschland
Titelthema
Grasfrösche im Spessard
Neue Arten
Neu beschriebene Reptilien
Zucht
Bohnenkäfer

von Rudolf Malkmus

Ein Beobachter phänologischer (im Jahresablauf periodisch wiederkehrender) Erscheinungen, der ein bestimmtes Phänomen in freier Natur über Jahrzehnte hinweg verfolgt, muss über ein beträchtliches Quantum an Geduld und Beharrlichkeit sowie an Unabhängigkeit von Verpflichtungen und stabiler Gesundheit während der Beobachtungsperiode verfügen. Mit raschen Ergebnissen wird er meist nicht belohnt.
Entsprechend überschaubar ist die Zahl an Publikationen zu Langzeituntersuchungen bei Amphibien; zum Beispiel auch zum Laichgeschehen von Grasfroschmetapopulationen, denen ich als Einmannunternehmen für 30 Jahre, von 1987–2016, meine Aufmerksamkeit im bayerischen Spessart widmete. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Studie, die nicht nur den Einfluss der globalen Erwärmung auf den Laichbeginn zum Thema hatte, sondern auch Veränderungen der hydrologischen Verhältnisse im Laichgewässer durch einwandernde Biber dokumentierte, sind an anderer Stelle umfassend dargestellt (Malkmus & Weddeling 2017).

Im Kaltengrund
Das langjährige Untersuchungsgebiet im Innern des bayerischen Teils des Spessarts umfasst das 2 km lange, 16 ha große Tal des Kaltengrundbaches. Der Bach selbst wird von zahlreichen perennierenden (das ganze Jahr über Wasser führenden) Hangquellen gespeist; er durchfließt in 340–250 m Höhe zunächst ein tief zwischen 400–450 m hohen Bergrücken aus Buntsandstein eingeschnittenes Kerbtal, das sich in seinem unteren Segment in ein sogenanntes Kastental verbreitert (im Querprofil mit steilen Berghängen und ebenem Talboden). Das Tal liegt inmitten ausgedehnter Mischwälder (Kiefer, Fichte, Douglasie, Rotbuche), die intensiv forstwirtschaftlich im Plenterbetrieb genutzt werden.
Das Klima im Gebiet ist subatlantisch geprägt, mit 950–1.100 mm Jahresniederschlag und 6–6,5 °C Jahresdurchschnittstemperatur. Infolge des Strukturreichtums des Tales trifft man auf sehr unterschiedliche mikroklimatische Bedingungen.
2001 wurde das Tal Teil des 354 ha umfassenden Naturschutzgebietes „Spessartwiesen“. Auf den quartären und holozänen Sedimenten des Talbodens (tonige Auelehme, Pseudogley auf kiesigem Untergrund) wechseln Erlenbruch- und Erlensumpfwäldchen mit Beständen der Öhrchenweide (Salix aurita), Großseggenrieden und Hoch­staudenfluren ab. In dieser Zone wurden von 1975 bis heute insgesamt 30 stehende Gewässer unterschiedlicher Größe angelegt, in denen der Grasfrosch alljährlich seine Laichballen absetzt.
Zur quantitativen Erfassung von Grasfroschpopulationen eignet sich die Zählung der abgesetzten Laichballen, da jedes Weibchen in der Regel einen Ballen absetzt. Da die Frösche die Laichballen in der Regel in zeitlich versetzten Schüben neben, auf und zwischen die bereits vorhandenen Ballen platzieren, entstehen oft umfangreiche „Laichteppiche“. Diese ermöglichen dann bestenfalls eine unpräzise Abschätzung der Ballenzahl. Eine sichere optische Abgrenzung frisch abgelegter von älteren Ballen ist nur in den ersten 10–20 Stunden nach ihrer Ablage gewährleistet. Um die Beobachtungskontinuität zu wahren, musste ich während der Laichphase (von Mitte Februar bis Anfang April) daher täglich auf einer ca. dreistündigen Exkursion sämtliche Laichgewässer besuchen, um neu hinzugekommene Ballen erfassen zu können.

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